Florian. Professor. Unternehmer. Vater. Radfahrer. Und sicher, alles im Griff zu haben.
Florian lebt in Guangzhou, China. Lehrt als Professor, führt seine eigene Firma, ist Vater eines kleinen Kindes. Sein Tag ist durchgetaktet bis auf die Minute. Und trotzdem findet er Zeit zum Trainieren. Viel Zeit. Manchmal zu viel.
Als er im Januar zu mir kam war schnell klar: der Mann hat Biss. Vegan, diszipliniert, gesundheitsbewusst. Er hat sich Gedanken gemacht, mehr als die meisten.
Aber Belastungssteuerung? Das war neu. Der Reflex war mehr ist mehr. Härter, länger, öfter. Was ich ihm als erstes beibringen musste war, dass die lockeren Einheiten kein Zeichen von Schwäche sind. Sondern die Grundlage auf der alles andere aufbaut. Gerade für jemanden dessen Alltag schon vor dem ersten Tritt in die Pedale Vollgas bedeutet.
Beim Erstgespräch hat er beiläufig erwähnt welche Supplemente er nimmt. Ich hab's aufgeschnappt, mir gemerkt, später nochmal nachgefragt. Warum nimmst du das? Hast du das mal testen lassen?
Er hat supplementiert was man so supplementiert wenn man vegan lebt und viel trainiert. Nach Gefühl, nach Recherche, ohne Zahlen.
Also haben wir reingeschaut. Blutwerte in China abnehmen lassen, gemeinsam mit Anna Thuns von der Naturheilpraxis Thuns ausgewertet und einen gezielten Plan erstellt.
Magnesium war erniedrigt.
Bei jeder harten Einheit geht Magnesium raus mit dem Schweiß. Es steckt direkt in der Muskelkontraktion, in der Nervensteuerung, im Schlaf. Fehlt es merkst du das nicht sofort, aber du schläfst schlechter, regenerierst langsamer und fühlst dich nie ganz frisch. Du trainierst weiter und wunderst dich warum der Körper nicht mitzieht. Bei jemandem dessen Alltag schon ohne Training am Limit läuft wiegt das doppelt.
Selen war gar nicht erst gemessen worden.
Für vegane Ausdauersportler eines der kritischsten Spurenelemente überhaupt. Selen schützt die Zellen vor oxidativem Stress, also genau dem was intensives Training täglich produziert. Dazu entscheidend für Schilddrüse und Immunsystem. Wer viel trainiert, vegan lebt und Selen nicht misst, weiß schlicht nicht wo er steht.
Ferritin war im Referenzbereich. Aber zu niedrig für einen Ausdauersportler.
83 µg/ml. Beim Hausarzt kein Kommentar. Für jemanden mit hoher Ausdauerbelastung liegt der sinnvolle Zielwert über 100. Ferritin ist der Eisenspeicher des Körpers. Zu wenig bedeutet weniger Sauerstoff im Blut, weniger Leistung auf dem Rad, längere Erholung nach dem Training. Bei veganer Ernährung wo pflanzliches Eisen schlechter absorbiert wird als tierisches ein Wert der regelmäßig kontrolliert gehört.
Drei Werte. Vorher unsichtbar. Jetzt bekannt.
Florian hat die Supplementierung angepasst, gezielt statt nach Gefühl. Parallel dazu haben wir die Belastungssteuerung verfeinert. Mehr Struktur, mehr Vertrauen in die ruhigen Einheiten, weniger Ego beim Training.
Und dann kamen die Rennen.
Die Peaks of Taiwan Challenge. Zwei Stages, beide hatten es in sich. Stage eins: 180 Kilometer, 5.200 Höhenmeter. Stage zwei: 200 Kilometer, 4.500 Höhenmeter. Kein Kurs für Leute die auf gut Glück pacing machen.
Florian hat geliefert. Mit einem Pacing das gepasst hat weil wir es vorher gemeinsam erarbeitet haben. Und wo es mal nicht so gelaufen ist wie erhofft haben wir analysiert woran es lag. Nicht um zu kritisieren, sondern um beim nächsten Mal besser zu sein.
"Besonders bei langen Ausfahrten merke ich, dass meine Ausdauer und Ermüdungsresistenz auf einem ganz anderen Level sind als noch vor sechs Monaten."
"Ich habe nie das Gefühl, nur eine Nummer in einem Standardprogramm zu sein. Jede Einheit hat einen Sinn und ich verstehe inzwischen viel besser warum ich was mache."
Professor, Unternehmer, Vater, Athlet. Wer so viele Rollen trägt kann sich keinen ineffizienten Körper leisten. Florian weiß das jetzt besser als je zuvor.

